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Stefan Drees, IKZ

Demokratien haben Spanien mit Appeasementpolitik verraten

Der 1. September ist der Antikriegstag - in Anlehnung an den Beginn des Zweiten Weltkriegs am 01. September 1939. Mit ein paar Tagen Verspätung wollten die Parteien DIE LINKE, die Grünen und die SPD sowie AWO, Friedensplenum, die Gewerkschaft GEW und der Verein Iserlohn-Denkmal ein Zeichen setzen. Mit einem Vortrag über den spanischen Bürgerkrieg der als "Vorspiel" zum Zweiten Weltkrieg betitelt wurde. Rund 40 interessierte Zuhörer hatten sich am Montagabend dazu im AWO-Bildungsforum an der Peterstraße eingefunden. Für den Vortrag konnte Dr. Werner Abel aus dem sächsischen Freiberg gewonnen werden, der bereits umfassend zu dem Thema publiziert hat.

Es waren weniger die militärischen Abläufe, die Dr. Abel beleuchtete. Das Augenmerk wurde auf die Entstehungsgeschichte, die komplexe Konstellation der direkt oder indirekt beteiligten Mächte und Hintergründe gerichtet. Deutschland war auf beiden Bürgerkriegsseiten vertreten. Zum einen auf der Seite Francos insgesamt 25.000 Mann (Luftwaffe Legion Condor, Panzerfahrer und Artilleristen), auf der anderen Seite kämpften nach Dr. Abels Angaben rund 3000 bis 5000 Deutsche in den Internationalen Brigaden auf Seiten der Republikaner.

Bis 1975 in Spanien Regime unter Franco

Ausgangspunkt waren die Wahlen im Februar 1936, die eine linke Mehrheit hervorbrachten. Reaktionäre Kräfte wollten sich damit nicht abfinden, am Ende stand ein Militärputsch. Unter General Franco wurden die demokratische Republik und die offizielle Armee sowie deren Unterstützer angegriffen. Franco siegte, bis 1975 führte er ein unerbittliches Regime in Spanien.

Dr. Abel beleuchtete auch die Rolle der Sowjetunion sowie die fragile Allianz unterschiedlicher linker Gruppierungen, die häufig von gegenseitigem Misstrauen geprägt gewesen sei. Und zur Gesamtdimension sagte er: Die spanische Republik sei am Ende von den westlichen Demokratien mit ihrer Appeasementpolitik verraten worden. "Die haben lange Zeit überhaupt nicht begriffen, worum es überhaupt geht", so Dr. Abel. Deutschland, das bereits seit 1935 einen großen Krieg geplant habe, um die territorialen Festsetzungen des Versailler Vertrages rückgängig zu machen, habe im Spanischen Bürgerkrieg wichtige Waffensysteme getestet. Der Verlauf des Krieges und die Zurückhaltung der westlichen Demokratien habe das Nazi-Regime glauben lassen, sich in Europa alles erlauben zu können.

Und: Im Spanischen Bürgerkrieg habe es erstmals auch so etwas wie einen Medienkrieg gegeben. Hier, aber auch nur hier, seien die Republikaner vielleicht etwas erfolgreicher gewesen, auch wegen der Unterstützung prominenter Intellektueller. Willy Brandt übrigens war 1937 auf republikanischer Seite als Korrespondent tätig.

(Quelle: Iserlohner Kreisanzeiger und Zeitung vom 13.09.2018)