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Stefan Drees, IKZ

LINKE hält an Behelfsbrücke fest

Oliver Ruhnert (re.) und Manuel Huff fordern den Bau einer Behelfsbrücke zwischen Rathaus und Schillerplatz. Foto: Michael May / IKZ

Fraktionsvorsitzender Oliver Ruhnert sieht ernsthafte Veränderungen und kündigt Vorstoß für nächste Ratssitzung an.

Der Vorsitzende der Fraktion Die Linke, Oliver Ruhnert, und Fraktionsgeschäftsführer Manuel Huff sitzen in ihrem Büro im Iserlohner Rathaus. Von dort blicken sie formatfüllend auf den Vorplatz des Rathauses und die Abbruchkanten, die durch den Abriss der Schillerplatzbrücke entstanden sind. Und sie sehen sehr gut, was auf der anderen Seite, auf dem Schillerplatz geschieht – oder besser gesagt nicht mehr geschieht. „Wir sehen, wie wenige Leute sich nur noch auf dem Schillerplatz bewegen. Wir sehen, dass die Leute nun offenbar ganz andere Wege gehen“, sagt Oliver Ruhnert. Insofern sehe sich Die Linke bestätigt in ihrer Auffassung, dass es falsch sei, auf eine Behelfsbrücke zu verzichten.

Durch Gespräche und Ansprachen – auch aus Bereichen, mit denen man vielleicht nicht immer auf einer Wellenlänge funke – haben „wir viel Zuspruch für unsere Position erfahren“, so Oliver Ruhnert. Und der Fraktionschef kündigte an, in der Ratssitzung am 10. Dezember erneut einen Vorstoß für den zeitnahen Bau einer Behelfsbrücke zu unternehmen. Tendenzen, nochmals über die Sache nachzudenken, so Ruhnert, gebe es ja auch bei SPD und in ersten Ansätzen wohl auch bei der FDP. Karstadt, so Ruhnert, aber auch anderen Geschäften fehle nun der „Durchgangsverkehr“.

Ja, 300.000 Euro seien viel Geld, „darüber sind auch wir uns bewusst“, sagt Ruhnert. Diese Ausgabe sei aber dringend notwendig, um Schaden vom Einzelhandel und der Innenstadt abzuwenden. Manuel Huff ergänzt, dass es vier bis fünf Jahre dauere, bis sich bei der Schillerplatzneugestaltung wirklich etwas getan habe. Auf die Jahre verteilt würde sich der finanzielle Aufwand für eine Behelfsbrücke somit relativieren.

Nicht die richtige Reihenfolge gewählt

Der engagierte Einsatz für eine solche Behelfsbrücke, auch da sind sich Huff und Ruhnert einig, bedeute aber nicht, dass die spätere Neugestaltung unbedingt wieder eine Brücke beinhalten müsse. Wenn der Theodor-Heuss-Ring tatsächlich markant zurückgebaut werde und der Platz tatsächlich ein deutlich niedrigeres Niveau erhalte, könne es auch andere attraktive Möglichkeiten für eine barrierefreie Verbindung zwischen nördlicher und zentraler Innenstadt geben.

Aktuell aber sei eine Brückenverbindung unerlässlich. Man könne förmlich sehen, wie Ströme nun anders verlaufen würden. Abriss der Schillerplatzbrücke und Verzicht auf eine Behelfsbrücke – Ruhnert kritisiert auch, dass man sich jetzt erst Gedanken macht, wie die vorhandenen Alternativen aufgewertet werden könnten. Das hätte vor dem Abriss passieren müssen. Und er bleibe dabei, dass die Brücke zwischen Werner-Jacobi-Platz und Deutscher Bank wegen ihres Gefälles keine barrierefreie Verbindung darstelle. Ruhnert und Huff halten es zudem für einen Denkfehler, dass eine Behelfsbrücke durch die bevorstehende Auslagerung von großen Teilen des Rathausbetriebes endgültig überflüssig werde. Publikums- und Mitarbeiterverkehr würden nur einen Teil der zuvor ja gemessenen beträchtlichen Fußgängerfrequenz ausmachen. Für die nördliche Innenstadt fehle nun eine wichtige Verbindung zum Schillerplatz und weiter in die Innenstadt.

Die beiden Linkenpolitiker machen sich auch Sorgen um die Zukunft von Karstadt, nicht nur wegen des entfallenen „Durchgangsverkehrs“ auf dem Schillerplatz. Nach dem Abriss der Brücke müsse auch am Erscheinungsbild des Parkhauses im Bereich der Abbruchkante gearbeitet werden. Leute, die nicht mehr im Karstadt-Parkhaus parken würden, würden auch dem Kaufhaus als Kunden fehlen. Karstadt, so Ruhnert, sei für die Stadt ein sehr wichtiger Partner und die Pacht, die Karstadt für das Kaufhaus zahle, sei ganz bestimmt nicht unerheblich. Manuel Huff warnt: Wenn die derzeitige Situation für Karstadt tatsächlich negative Auswirkungen habe, könne „das Unternehmen möglicherweise auf eine Verlängerung des Mietvertrages verzichten“. Ruhnert warnt daher vor Experimenten.

Keine Aufgabe des Rathausesauf Verdachtsbasis

Zur Rathausfrage: Oliver Ruhnert wendet sich weiter gegen eine Vorfestlegung auf eine Rathausverlagerung in Richtung Stadtbahnhof. Auch der mögliche Standorterhalt müsse geprüft werden. Wenn das Ergebnis ist, dass das Rathaus auf vernünftiger Basis und mit vernünftigen Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter erhalten werden kann und das auch günstiger sei als ein Neubau, müsse man an dieser Stelle sehr genau überlegen. Beide Möglichkeiten prüfen, für beide Möglichkeiten die Kosten berechnen und dann entscheiden – so stellt sich Ruhnert den richtigen Weg vor. Und die Gründungssituation des Rathauses am Schillerplatz müsse präzise geklärt werden. „Da muss gebohrt werden, egal wie“, so Ruhnert. Eine Aufgabe des Rathauses auf Verdachtsbasis dürfe es nicht geben.


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