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Schulentwicklungskonzept der Partei DIE LINKE. in Iserlohn

1. Schulpolitische Grundpositionen der Partei Die Linke. und landespolitische Rahmenbedingungen

DIE LINKE. sieht sich als Partei, der sozialen Gerechtigkeit. Dies gilt auch für den Bildungsbereich:

Die systematische Ausgrenzung von sozial Benachteiligten, Migrantinnen und Migranten, von chronisch Kranken und Menschen mit Behinderungen im Bildungssystem ist in Deutschland so extrem wie in keinem anderen europäischen Land. Die Zahl der Schulabbrecherinnen und Schulabbrecher ist hoch. Wer die Schule nicht erfolgreich absolviert, hat kaum Chancen auf einen Ausbildungsplatz und damit auf eine gute Berufsperspektive. ... Miteinander leben und lernen statt konkurrieren ist unser oberstes Ziel in der Bildung. (Landeswahlprogramm)

Die Pisa Studien eruierten als Grund für die starke Selektivität des deutschen Bildungssystems dessen Dreigliedrigkeit, doch nach dem Wechsel der Landesregierung und dem absehbaren Positionswechsel selbst der CDU (siehe „CDU-Kommission fordert aus für die Hauptschule“ in: Der Westen, 23.05.2011) dürfte es damit bald vorbei sein.

DIE LINKE. in Iserlohn begrüßt deshalb ausdrücklich die im Koalitionsvertrag der Rot-Grünen Landesregierung festgeschriebenen Verabredungen zur Erneuerung der Schulstruktur. Dies gilt im Besonderen für die schnelle Nutzung der im bestehenden Schulgesetz verankerten Möglichkeit, besondere Schulmodelle zu genehmigen, um damit die Gemeinschaftsschule sofort auf den Weg zu bringen. Sie hat in der integrierten Form neben der Gesamtschule innovatives, gemeinsames Lernen bis Klasse 10 zum Ziel und wird damit für mehr und höherwertige Schulabschlüsse sorgen. Nun warten wir gespannt darauf, dass nach der unerwartet hohen Nachfrage insbesondere aus CDU regierten ländlichen Gemeinden die Gemeinschaftsschule auch im Schulgesetz verankert wird, damit das ebenfalls im Koalitionsvertrag vereinbarte Ziel, bereits bis 2015 30 Prozent der allgemeinbildenden Schulen in der Sekundarstufe I zu Gemeinschaftsschulen umzuwandeln, auch eingehalten werden kann. Mindestens ebenso aber begrüßen wir den Trend zu Gesamtschulgründungen, wie zuletzt in unseren Nachbargemeinden Hemer und Menden beschlossen, denn damit wird dem Elternwillen nach einer freien Schulwahl vor dem Hintergrund der zuletzt landesweit 14000 Abweisungen an Gesamtschulen ein Stück weit Rechnung getragen.

Gemeinsamens Lernen soll nach dem Willen der Landesregierung auch für Kinder mit Behinderungen der Regelfall statt Ausnahme werden. Mit Nachdruck werde diesbezüglich an einem Inklusionsplan gearbeitet, der die Schul-, Jugendhilfe und Sozialplanung vor Ort gemeinsam ... auf das Inklusionsziel verpflichtet (Koalitionsvertrag). All diese anstehenden Veränderungen erfordern eine erhebliche Steigerung der Investitionen im Bildungs- und Forschungsbereich, denen die Landesregierung laut Koalitionsvertrag (bis 2015 gesamtstaatlich 10% des Bruttoinlandsproduktes) auch nachkommen möchte. Trotz abnehmender Schülerzahlen wird nach Einschätzung der bildungspolitischen Sprecherin der Linksfraktion im Landtag Gunhild Böth nach diesen Versprechungen die durchschnittliche Klassengröße bis 2015 um 5 sinken, was aber unserer Forderung nach einer maximalen Klassenstärke von 15 (Landeswahlprogramm) bei weitem noch nicht entspricht.

Im Sinne der beabsichtigten qualitativen Verbesserungen im Schulwesen sollten sich aber das Land und die Kommunen nun gemeinsam auf den Weg begeben, Schulgesetze, Haushalts- und Schulentwicklungspläne so aufeinander abzustimmen, dass verloren gegangene internationale Standards wieder eingehalten werden können.


2. Die Schulstruktur in Iserlohn (Ist-Zustand und Probleme)

Derzeit verfügt Iserlohn (städtische Schulträgerschaft) über:

  • 3 Gymnasien (Märkisches, Stenner, Letmathe) mit 12 Eingangsklassen,

  • eine Gesamtschule (Nussberg) mit 6 Eingangsklassen,

  • 3 Realschulen (Hemberg, Bömberg, Letmathe) mit 11 Eingangsklassen,

  • 4 Hauptschulen (Martin Luther, Wiesengrund, Letmathe, Hennen) mit nur 7 Eingangsklassen,

  • 13 Grundschulen und ein Grundschulverbund (Nussberg/Gerlingsen) mit derzeit 37-38 Eingangsklassen für das kommende Schuljahr sowie über

  • 2 Förderschulen

Trotz dieses insgesamt vielfältigen Angebots liegt Iserlohn bei der Anzahl der Schulabgänger ohne Abschluss über und bei der Anzahl der Abiturienten unter dem Landesdurchschnitt. Auch weitgehend restriktiv durchgeführte Schulprojekte im Sinne der „Fördern und Fordern“ Philosophie wie der letztendlich wohl gescheiterte Quantensprung haben an dieser Situation kaum etwas verändert. Die Ursache dürfte wohl eher in der erhöhten Selektivität und Durchlässigkeit nur in eine Richtung (von oben nach unten, 2009 standen 103 Absteigern nur 8 Aufsteiger gegenüber) zu suchen sein.

Ein weiterer Grund, vor allem für die geringe Abiturientenzahl, ist wohl darin zu suchen, dass alle drei Gymnasien sich für das G8 Abiturmodell entschieden haben, was indirekt Auswirkungen auf die Anmeldezahlen der Gesamtschul-Oberstufe hat. Von den derzeit ca. 200 Interessierten können aber nur 100 aufgenommen werden.

Positiv für Letmathe und Alt-Iserlohn ist die wohnortnahe Versorgung mit (fast) allen Schultypen. Dies gilt jedoch nicht für Sekundarstufenschüler aus dem Iserlohner Norden (Hennen, Kalthof, Sümmern), denn hier steht dem vermehrten Wunsch nach höherwertigen Schulabschlüssen nur das Angebot der Hennener Hauptschule gegenüber. Lange Anreisen mit dem Bus haben in der Vergangenheit den Schulerfolg dieser Schüler oftmals nicht beflügelt. Die hohe Zahl der Absteiger, die nach Hennen zurückkehrten haben bisher die Hauptschule wohl vor einem Aus bewahrt.

Der für die Zukunft zu erwartende Schülerschwund (laut Prognose ca. 15 % bei den Lernanfängern in den nächsten 5 Jahren, danach stabil bleibend) hat zunächst Auswirkungen auf die Grundschulen. Sollten (entgegen der unter 1 genannten Erwartungen) die Klassengrößen stabil bleiben, bedeutet dies der Wegfall von Mehrzügigkeiten oder gar Schulstandortschließungen. Die später eintretenden Konsequenzen im Sekundarstufenbereich betreffen durch den Verdrängungswettbewerb vermehrt die Hauptschulen, in relativ abgeschlossenen Gebieten aber auch Realschulen und Gymnasien (siehe Rückgang der Anmeldezahlen am Gymnasium Letmathe mit der Folge eingeschränkter Wahlmöglichkeiten vor allem in der Oberstufe).

All diese Probleme und Entwicklungen erfordern eine qualitätssteigernde, intelligente, wohl durchdachte, wohnortnahe und sozial ausgewogene Schulentwicklungsplanung im Sinne eines Gesamtkonzeptes, das den Eltern- und Schülerwillen in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung stellt. Die Bereitschaft dazu lassen unserer Meinung nach viele Iserlohner Bildungsakteure nicht genügend erkennen. Die derzeit noch bescheidene (sich in Zukunft aber, wie unter 1 geschildert, sich verbessernde) Kassenlage darf nicht alleiniger Ausgangspunkt einer solchen Planung sein.


3. Eine neue Schulstruktur für Iserlohn

Die Fraktion DIE LINKE. im Rat der Stadt Iserlohn macht folgende Vorschläge für eine Neugestaltung der Iserlohner Schulstruktur:

  • für den Grundschulbereich:

    Im Sinne des Prinzips „Kurze Beine Kurze Wege“ sollten sich alle schulpolitischen Akteure dafür einsetzen, alle Schulstandorte zu erhalten. Die in den politischen Gremien und in der Presse geführte Diskussion um Schulschließungen kommt zur Unzeit, da die Rahmenbedingungen (Entwicklung der gesetzlichen Klassenstärken bei der Berechnung von Zügigkeiten und Zuweisung von Lehrerstellen, Auswirkungen der kommenden Inklusionsgesetzgebung) noch nicht klar sind. Auch halten wir die erhobenen Prognosen zum SchülerInnen-Aufkommen in den Stadtteilen für nicht genügend valide. Zu oft wurden in der Vergangenheit die prognostizierten Zahlen von der Realität ad absurdum geführt. Die Lernanfänger des Jahres 2017 sind heute noch nicht geboren. Insbesondere die viel diskutierte Zusammenlegung der Standorte Nussberg und Gerlingsen lehnen wir ab, da sich beide Stadtteile lebendig entwickeln, sich junge Familien auch durch die vorhandene schulische Infrastruktur dazu bewogen fühlen, ihren Lebensmittelpunkt zum Nussberg oder nach Gerlingsen zu verlegen (siehe der Zuzug am Nussberg in den letzten Jahren insbesondere aus Hagen). Häuser und Wohnungen werden auch in den nächsten Jahren durch Erbschaft, Verkauf oder Neuvermietung vermehrt an Jüngere übergehen.

    Die Entscheidung für den Schulverbund war im Prinzip nicht falsch, war doch damit auch die Hoffnung verbunden, durch die Einsparung einer Leiterstelle mehr Ressourcen für den Unterricht zu gewinnen. Das sich nun stellende Problem der SchülerInnenverteilung auf die Standorte könnte von allen Beteiligten (Bezirksregierung/Kreis bei der Festlegung der Zügigkeit, Schulleitung bei der Einrichtung der Klassen) bedeutend sensibler gehandhabt werden. Eine Zusammenlegung der Standorte bedeutet „das Kind mit dem Bade auszuschütten“. Sowohl der Nussberg als auch Gerlingsen sind Stadtteile mit gewachsenen Netzwerk- und Kommunikationsstrukturen. Die Zusammenarbeit von Kindergärten, Grundschulen und Kirchengemeinden ist nahezu vorbildlich. Gerade die Johannes-Kirchengemeinde beweist derzeit, wie man auch unter Sparzwängen in beiden Stadtteilen ein kirchliches Angebot aufrecht erhalten kann. Ein Schulweg von Gerlingsen zum Nussberg oder umgekehrt über die Dortmunder Straße ist keinem 5 oder 6 Jährigen zuzumuten, ein Bustransfer ist angesichts unterschiedlicher Anfangszeiten und des schon jetzt vermehrten Verkehrsaufkommens zumindest problematisch und langfristig mit höheren Kosten verbunden.

    Ebenso setzen wir uns für den Erhalt der Albert-Schweitzer-Schule in Letmathe ein. Neben dem Argument der wohnortnahen Versorgung kommt ein soziales, denn durch ein Ausweichen auf die Saat-Schule sind vor allem Migrationskinder aus dem Stadtteil Genna betroffen, die an ihrer Schule ein für sie entwickeltes Förderkonzept vorfinden und deren Eltern meist nicht in der Lage sind, sie mit dem „Taxi-Mama“ zur Schule zu bringen. Das Problem der Fehlzeiten wird sich vergrößern.

    Die Fraktion DIE LINKE. begrüßt wie beispielsweise an der Bartholomäusschule oder in Kalthof durch neue pädagogische Konzepte (jahrgangsübergreifender Unterricht, Projekt Bildungshaus) der Schulstandort auch im Hinblick auf gemeinsames Lernen gestärkt wird und fordert weitere Schulkollegien, Elternschaften und Schüler im Rahmen der Schulprofil- und Schulprogrammarbeit auf, bei der Entwicklung ähnlich innovativer Projekte und Förderkonzepte mitzuwirken und Fördermöglichkeiten (auch im Hinblick auf die Umsetzung der Inklusion) zu eruieren. Die Aufgabe von Schulstandorten bedeutet auch hier eine Preisgabe von Unterrichtsräumlichkeiten, die für Gruppenunterrichtsphasen oder zeitweilige Binnendifferenzierungsphasen zur gezielten Förderung notwendig sind.


  • für den Sekundarbereich

    Für den Sekundarbereich betrachtet die Fraktion DieLinke die Ausweisung von vier Hauptschulen mit insgesamt 7 Zügen als einen der schulideologischen Auseinandersetzung vergangener Jahre geschuldeter Anachronismus, der schnellstmöglich beseitigt werden muss. Wenn man nicht noch mehr Schülerverkehr von der Peripherie ins Zentrum oder einen mehr als problematischen Ausbau von Schulen in Wohngebieten (wie derzeit am Beispiel der Gesamtschule Nussberg diskutiert) möchte, bleiben nur zwei Dinge:
    Die Einrichtung von Schulverbünden in Form von Gemeinschaftsschulen oder die Umwandlung von (Haupt)Schulen zu Gesamtschulen.

    Die Fraktion DIE LINKE. schlägt dazu folgendes Gesamtkonzept vor:

    • Für Alt-Iserlohn die Einrichtung von zwei Schulverbünden (Hauptschule Wiesengrund und Hauptschule Bömberg, Hauptschule Martin-Luther und Realschule Hemberg) zu je einer Gemeinschaftsschule unter Kooperation des Märkischen Gymnasiums für den Sek. II Bereich. In frei werdende Räumlichkeiten am Hemberg und durch evt. Neubauten wird ein Oberstufenzentrum errichtet, das den Bedarf nach höherwertigen Abschlüssen (Abitur und Fachabitur) deckt. Das Stenner-Gymnasium bleibt von diesen Überlegungen zunächst unberührt. Zu erwartende abnehmende Schülerzahlen können jedoch durch Übernahmen vom Märkischen Gymnasium kompensiert werden.

    • Für Letmathe bietet sich ein Schulverbund der dortigen Realschule und Hauptschule in Kooperation mit dem Gymnasium und unter Errichtung eines Oberstufenzentrums an der Humpert an, wobei die unteren Jahrgänge im Zentrum verbleiben und höhere Jahrgänge (ab Klasse 8 oder 9) zur Aucheler Straße wechseln. Im Iserlohner Norden ist zu prüfen, inwiefern eine ausreichende Nachfrage (auch aus der angrenzenden Gemeinden Schwerte) nach einer zweiten Gesamtschule besteht. Ist dies der Fall, sollte eine 4-zügige Gesamtschule vorzugsweise am Standort der jetzigen Hauptschule Hennen eingerichtet werden, wenn nicht sollte zur Sicherung eines Schulstandortes im Iserlohner Norden aus der Hauptschule eine 3-zügige Gemeinschaftsschule entstehen.

    • Die Gesamtschule am Nussberg könnte so auf eine 4-5 Zügigkeit begrenzt werden. Dem verständlichen Wunsch der Schule nach einer Zusammenlegung der Schulstandorte kann mittel bis langfristig durch sinkende Schülerzahlen oder aber durch Kooperation mit einem Oberstufenzentrum (Hemberg oder berufliche Schulen) entsprochen werden.

    • Keinesfalls befürwortet die Fraktion DIE LINKE. einen zur Diskussion gestellten 7-zügigen Ausbau der bestehenden Gesamtschule mit dann zu erwarteten 1500 – 2000 SchülerInnen, obwohl wir generell die Gesamtschule als die unseren Zielen genehmste Schulform betrachten. Wir sehen auch, dass der Investitionsstau der vergangenen Jahre besonders hart die Gesamtschule getroffen hat. Dennoch gebieten die Begrenzung der Fläche und die verkehrlichen Gegebenheiten am Nussberg selbst unter Einbezug der Räumlichkeiten der Grundschule davon Abstand zu nehmen. Zur Entwicklung einer Schulkultur wird auch eine genügend große Außenfläche für Pausen und Freizeitaktivitäten benötigt. Schon jetzt weichen Schüler auf die Umgebung aus (z. B. auf den Gehweg zum Wendehammer). Die zur Diskussion gestellte Überbauung des Basketballfeldes wird diese Situation noch verschärfen.

Weitere Positionen der LINKEN

... finden Sie auf der Website unseres Landesverbandes und unter die-linke.de.